10. VIREN
Frettchen sind besonders empfänglich für einige virale Infektionen, die auch bei anderen Tierarten, insbesondere bei Hund und Katze auftreten können.

Staupe
Ätiologie:
Virale Erkrankung mit dem Para-Myxovirus, die ausser Hunde gelegentlich auch Füchse und Frettchen befällt, und durch Kontakt übertragen wird. Es besteht eine Korrelation zwischen dem Krankheitsstadium des Trägers und der Kontaktdauer mit dem nichtinfizierten Tier. Die Gefahr einer Virusübertragung steigt signifikant mit der Dauer der Erkrankung. Die Ansteckung mit einem Virusstamm vom Frettchen führt nach 10 bis 14 Tagen zum Exitus, erfolgt dagegen die Ansteckung mit einem Virusstamm vom Hund, ist der Krankheitsverlauf länger, und nach 3 bis 3½ Wochen stellen sich ZNS Störungen ein.

Symptome:
Nach einer Inkubationszeit von 5 bis 7 Tagen, unterschiedlicher Krankheitsverlauf, da es im Anschluss an die Virusinfektion, sekundär zur Bakterienansiedlung kommt. Bei der akuten Form treten seröser Nasen- und Augenausfluss, Hyperämie der Ohren, Fieber und Fressunlust auf. Die erkrankten Tiere machen einen zahmen Eindruck. Im chronischen Verlauf (nach etwa 8 bis 10 Tagen), kommt es zur Ausbildung von Hyperkeratose und Parakeratose der Haut vorwiegend an den Pfoten und am Nasenspiegel beim Frettchen. In etwa 50 % der Fälle werden auch Pusteln auf der Haut unter dem Kinn und in der Inguinalregion der erkrankten Tiere sichtbar. In den ersten 7 Tagen der katarrhalischen Form sind die Krankheitszeichen häufig nicht offensichtlich, bis es zur Ataxie und zum Festliegen kommt. In diesem Stadium ist es für eine Therapie zu spät.

Therapie:
Bei der katarrhalischen Form symptomatisch. Zusätzlich können Paramunitätsinducer oder Stagloban in therapeutischer Dosis gegeben werden. Zur Bekämpfung der bakteriellen Sekundärinfektionen Antibiotika- oder Sulfonamidgaben (Chloramphenicol per os, Erythromycin per os, Trimethoprim / Sulfamethoxazol per os, weiter Wasser- und Elektrolyttherapie, parenterale Gaben von Vitamin C und Vitamin-B-Komplex Präparaten).

Prognose:
Ungünstig bei nichtgeimpften Tieren.

Prophylaxe:
Schutzimpfung mit für Frettchen geeigneten Impfstoffen.

Feline Parvovirose
Die Angaben über das Auftreten von Parvovirose sind widersprüchlich.

Synonyme:
Katzenseuche, Infektiöse Panleukopenie, Virusenteritis.

Symptome:
Gestörtes Allgemeinbefinden, Fieber, katarrhalisch - hämorrhagische Enteritis, Fressunlust, Apathie. Der Krankheitsverlauf ist akut, und der Tod tritt innerhalb von 3 bis 5 Tagen ein. Bei Jungtieren manchmal perakuter Verlauf, so dass irrtümlich vom Besitzer der Verdacht auf eine Intoxikation geäussert wird.

Diagnose:
Klinische Erscheinungen, sehr niedrige Leukozytenzahl im Blut (etwa 800 bis 3000).

Therapie:
Sofortige Entfernung aller Ausscheidungen (Erbrochenes, Kot), Rehydratation und Beseitigung der metabolischen Azidose mit Ringerlactat unter Zusatz von Bicarbonat (nicht Lactat, da eine Lactatazidose meistens schon besteht) und Glukoselösung. Weiterhin Antibiotikagaben (Ampicillin) und Prednison.

Prophylaxe:
Grundimmunisierung mit Tot- oder Lebendvakzinen, dann jährliche Wiederholung.

Hypergammaglobulinämie (HGG)
Synonyme:
Aleutenkrankheit (AK), durch das Aleuten-Virus verursachte, dem Komplex der nichtentzündlichen Bindegewebserkrankungen zugeordnete Plasmozytose der Nerze. Die Hypergammaglobulinämie ist eine Erkrankung, die beim Frettchen im allgemeinen chronisch verläuft und vorwiegend bei erwachsenen Tieren festgestellt wird. Beim Nerz ist sie unter dem Namen Aleutenkrankheit recht bekannt.

Ätiologie:
Aleuten-Virus.

Symptome:
Der Krankheitsverlauf ist beim Frettchen sehr langsam, mit nur wenigen klinischen Symptomen wie Abmagerung und schwarzem, teerartigen Kot. An HGG infizierte Frettchen können 200 Tage überleben.

Diagnose:
Der Anstieg des Gammaglobulins auf über 20 % des Gesamteiweisses ist verdächtig für HGG.

Therapie:
Unbekannt.

Influenza
Ätiologie:
Influenza-Virus, Respiratory syncytialvirus.

Epizootiologie:
Nach Untersuchungen weisen neugeborene Frettchen einen äusserst niedrigen Immunglobulingehalt im Serum auf. Der überwiegende Teil der maternalen Antikörper (lgG) wird erst post partum über die Schleimhaut in den ersten 30 Lebenstagen aufgenommen. Infektion von neugeborenen Frettchen, die von ungeschützten Fähen stammen, verläuft immer tödlich, dagegen erkrankt die Nachkommenschaft von Fähe, die immun sind, nicht an Influenza. Auch neugeborene Frettchen von nicht immunisierten Fähen, die aber nach der Geburt immunisierten Fähen unterlegt wurden, blieben von der Infektion verschont.

Symptome:
Nach einer Inkubationszeit von 2 Tagen bei erwachsenen Frettchen plötzlicher Anstieg der Körpertemperatur (40 bis 41C), Fressunlust. Apathie, Nasenausfluss.

Diagnose:
Antikörpernachweis im Serum.

Therapie:
Antihistaminika zur Schleimhautabschwellung (wenn nötig). Gewöhnlich verschwinden die Symptome nach 5 Tagen, das Frettchen bleibt immun für etwa 5 Wochen.

Tollwut
Ätiologie:
Durch den Rhabdo-Virus verursachte, akute, meist tödlich endende, weltweit verbreitete Infektionskrankheit.

Symptome:
In der Mehrzahl der Fälle rasende Tollwut. Exzitationsstadium, aggressives Verhalten dem Menschen gegenüber. Ob die stille Tollwut bei Marderartigen vorkommt, ist, jedenfalls aus der freien Wildbahn, nicht bekannt.

Diagnose:
Immunofluoreszenz, histologischer Nachweis der Negri- Körperchen, eventuell Tierversuch.

Differentialdiagnose:
Nervöse Staupe, Thiaminmangel, Amyloidose, andere entzündliche Prozesse am ZNS, schliesslich Fremdkörper in der Maulhöhle und im Schlund.

Therapie:
Verboten.

Prophylaxe:
Impfung mit einem für Frettchen geeignetem Impfstoff, Revakzinierung in jährlichen Zeitabständen.

Infektion mit dem IBR-Virus
Der Erreger der infektiösen bovinen Rhinotracheitis (IBR) kann beim Frettchen akute und chronische Infektionen der Atemwege hervorrufen.

Ätiologie:
IBR-Virus, ein Herpesvirus, das durch Fütterung von ungekochtem Eingeweide vom Rind auf Frettchen bertragen wird.

Symptome:
Nach einer Inkubationszeit von 3 bis 7 Tagen Niesen, Husten, schleimig-blutiger Ausfluss aus der Nase, eitrige Pharyngitis, Anorexie.

Therapie:
Unbekannt