11. BAKTERIEN
Frettchen sind besonders empfänglich für eine ganze Reihe von bakteriellen Infektionen, die meist durch die Nahrung übertragen werden, insbesondere durch verdorbenes oder infiziertes Fleisch.

Tuberkulose
Ätiologie:
Mycobacterium bovis. Die Frettchen sind hochempfänglich für diesen Typ. Die beiden anderen Typen M.tuberculosis und M.avium spielen in der Pathogenese der Tuberkulose beim Frettchen ebenfalls eine Rolle. Als Infektionsquelle kommen Milch und ungekochte Fleischabfälle, insbesondere rohes Hühnerfleisch, sowie Ausscheidungen von Vögeln in Frage.

Symptome:
Abmagerung, Durchfall. Im Spätstadium kommt oft eine Paralyse der Nachhand hinzu.

Diagnose:
Bei Verdacht Tuberkulinprobe (Thermalreaktion). Die intrakutane Tuberkulinprobe ist nicht aussagekräftig. Manchmal können die vergrösserten Mesenteriallymphknoten ertastet werden. Erregernachweis aus veränderten Organen, vor allem bei der Sektion.

Therapie:
Keine; Ausmerzung! Ansteckungsgefahr für andere Tiere und den Tierhalter!

Botulismus
Ätiologie:
Gefährliche Futtermittelintoxikation, durch Aufnahme des neurotropen Toxins von Clostridium botulinum, die durch fortschreitende Lähmung der motorischen Muskulatur charakterisiert ist. Das Frettchen ist gegen die Typen A, B und E recht widerstandsfähig, dagegen in hohem Masse für den Typ C empfänglich.

Symptome:
12 bis 96 Stunden nach Aufnahme des Toxins kommt es zu Speicheln, Atemnot, Paralyse der Muskulatur und schliesslich zum Tod durch Lähmung der Atemmuskulatur.

Therapie:
Keine

Prophylaxe:
Die Schutzimpfung ist angezeigt, wenn Gefahr besteht, dass die Tiere sich infizieren können.

Salmonellose
Ätiologie:
Die Erreger sind verschiedene Salmonella-Typen, besonders S.typhimurium und S.enteritidis. Häufigste Infektionsquelle ist kontaminiertes Futter, die Ansteckung wird durch Verfüttern von rohen Geflügelinnereien begünstigt. Die Infektion wird jedoch nicht häufig beim Frettchen beobachtet.

Symptome:
Akute Gastroenteritis mit schleimigem und blutigem Durchfall, Inappetenz, Vomitus, Fieber, Dehydration, Abmagerung, Conjunctivitis.

Diagnose:
Erregernachweis im Kot, Resistenzbestimmung.

Therapie:
Chloramphenicol.

Prognose:
Zweifelhaft.

Pasteurellose
Ätiologie:
Die Infektion wird durch Pasteurella multocida hervorgerufen. Pasteurellose ist in erster Linie eine Krankheit der Nagetiere und Hasenartigen. Sie wird durch den direkten Kontakt mit den infizierten Tieren, durch Futter (Nagetiere, Küken) oder auch durch Ektoparasiten übertragen.

Symptome:
Fieber, Fressunlust, Durchfall, Atemnot, serös-purulenter Nasenausfluss, klonisch-tonische Krämpfe, schleichender Gang, Ataxie, Apathie und rascher Verlauf des Krankheitprozesses.

Diagnose:
Nachweis der Erreger im Blut während der septikämischen Phase oder post mortem aus Organen.

Therapie:
Im Hinblick auf den raschen Verlauf sollten Antibiotika parenteral verabreicht werden. Wenn ein Antibiogramm noch nicht zur Verfügung steht, empfiehlt es sich, Erythromycin 10 bis 20 mg/kg KGW i.m., weiter Sulfamethazin und / oder Tetracyclin zu verabreichen.

Prognose:
Fraglich.

Leptospirose
Ätiologie:
Fieberhafte Infektionskrankheit. Der Erreger ist vornehmlich Leptospira icterohaemorrhagiae. Die Übertragung erfolgt durch Nager über verseuchtes Futter sowie Mäuse oder Hundeharn. Die Inkubationszeit beträgt 3 Tage bis 12 Monate.

Symptome:
Inappetenz, Vomitus, Apathie, Conjunctivitis, Icterus, Nachhandparese.

Diagnose:
Aus dem klinischen Bild, Harnbefund, serologischer Antikörpernachweis im Speziallabor.

Therapie:
In frühen Stadien Antibiotika, wobei das Mittel der Wahl eine Penicillin-Streptomycin Kombination ist, die aber gelegentlich beim Frettchen zu Unverträglichkeitserscheinungen führen kann. Versuch mit Streptomycin 2mal täglich 10mg/kg KGW, über 4 bis 6 Tage, mit nichtlebertoxischen Breitbandantibiotika wie Ampicillin (3mal tgl. 30 mg/kg KGW), eventuell auch Prednisolon 5 bis 10 mg/kg KGW. Andere Antibiotika wie Tetracyclin sind weniger wirksam und entwickeln zudem eine immunsuppressive Nebenwirkung. Weiterhin Vollelektrolytlösungen (20 bis 50 ml/kg KGW) s.c., künstliche Ernährung mit Boviserin, Nutrical, Biosorb.

Prognose:
Fraglich.

Prophylaxe:
Schutzimpfung.

Milzbrand
Ätiologie:
Infektionskrankheit, zumeist septikämisch verlaufend, durch Bacillus anthracis verursacht.

Symtpome:
Keine. Plötzlicher Exitus 3 bis 8 Tage nach Fütterung mit milzbrandigem (Pferde-) Fleisch.