7. PHYSIOLOGIE
Verdauungssystem
Als Fleischfresser sind Frettchen physiologisch auf tierische Nahrung eingestellt. Von der Maulhöhle über den Magen bis zum Enddarm ist der Verdauungskanal zur Aufnahme und Verdauung von animalischer Nahrung angepasst. Die Beute wird zerrissen, die Fleischbrocken unzerkaut heruntergeschlungen und dem einhöhligen Magen zur Verdauung zugeführt.

Der Magensaft setzt sich vor allem aus Pepsin, Salzsäure und dem für Raubtiere typischen Magenlipase zusammen. In dem relativ kurzen Darm wird die im Magen begonnene Verdauung fortgesetzt. Die Grösse von Leber und Bauchspeicheldrüse (pancreas) ist charakteristisch für Fleischfresser. Die beiden Drüsen geben ihre Sekrete in den Zwölffingerdarm (duodenum) ab. Die Neutralisierung der Magensäure erfolgt durch den Bauchspeichelsaft. Zur Eiweissverdauung werden die Enzyme Chymotrypsin und Proteinase produziert, zur Kohlenhydratverdauung Amylase, und Lipase zur Fettverdauung.

Die Galle wird von der Leber geliefert, und in der Gallenblase gespeichert. Gallensäuren emulgieren die Fette, unerlässlich für deren Resorption. Auch im Dünndarm werden noch einige Verdauungsenzyme produziert. Die aufgespaltenen Nahrungsbestandteile werden im Dick- und Dünndarm resorbiert, Fette und Fettsäuren ausschliesslich im Dünndarm, Monosaccharide, Aminosäuren und Salze im Dickdarm. Der Nahrungsbrei passiert den kurzen Darm in ein bis drei Stunden, sodass die aufgenommene Nahrung in kurzer Zeit wieder restlos ausgeschieden ist. Knochenteile werden im Magen von der Magensäure aufgelöst, Haare, Federn und Chitin werden jedoch unverdaut mit der Losung ausgeschieden.

Die kurze Verweilzeit der Nahrung im Verdauungstrakt beeinflusst die Nahrungsaufnahme wesentlich. Haben Frettchen freien Zugang zu Futter, wird dieses mehrmals am Tage aufgesucht und in kleinen Mengen aufgenommen, um den Organismus mit der nötigen Energie zu versorgen. Diesem Verhalten muss bei der Fütterung Rechnung getragen werden. Es empfiehlt sich, die Tiere zweimal am Tag zu füttern.

Katzenfertigfutter bildet die Fütterungsbasis. Die nötigen Vitamine und Mineralien sind darin enthalten. Dosenfutter hat jedoch nicht den benötigten hohen Gehalt an tierischem Eiweiss. Trockenfutter ist zu bevorzugen. Zur Abwechslung kann zusätzlich Frischfleisch gegeben werden. Es können auch ganze Tiere (mit Fell und Federn) verfüttert werden. Bei ausschliesslicher Fleischfütterung sollte die tägliche Futterration jedoch mit einem Vitamin-Mineraliengemisch aufgewertet werden. Vorteilhaft ist auch eine zusätzliche Gabe von Vitamin E (10 mg tgl.). Bei Fischfütterung soll etwa 20 bis 25 mg Thiamin (Vitamin B1) pro Kilogramm Futterfisch täglich vor der Fütterung verabreicht werden.

Bei der Frischfleischverfütterung an heissen Tagen ist besondere Vorsicht und Sauberkeit angezeigt. Eier sind ein Lekerbissen, dürfen aber nicht regelmässig und nicht zu oft angeboten werden. Milch führt schnell zu Durchfall. Frisches Wasser wird täglich gereicht, und muss immer zur Verfügung stehen.

Fortpflanzung
Das Frettchen ist polyöstrisch (März bis August), wobei der Östrus photoperiodisch von der Intensität des Lichtes gelenkt wird. Der provozierte Eisprung (Suksedanovulation) wird durch den Deckakt stimmuliert, der 1 bis 3 Stunden dauern kann und stellt sich 30 bis 35 Stunden später ein. Nach einer Geburt tritt ein neuer Östrus ein.

Bleibt die Fähe ungedeckt, kann sie in einer Art Dauerbrunst verharren, die sich über 6 Monate hinziehen und zu ernsten Gesundheitsstörungen führen kann. Der Eintritt der Ranzzeit wird an der starken Schwellung der Vulva kenntlich. Die geschwollene Vulva ist etwa kirschgross. Das ist physiologisch, die Schwellung sollte aber 2 bis 3 Wochen nach der Befruchtung oder spätestens im Oktober wieder zurückgehen. Im Falle einer Dauerbrunst muss tierärztlich eingegriffen werden. Führt der Deckakt nicht zu einer erfolgreichen Befruchtung, entwickelt sich bei der Fähe eine Scheinträchtigkeit von 42 Tagen.

Die Deckbereitschaft des Rüden wird durch den Hodenabstieg in das Scrotum angezeigt. Nach dem Deckakt sollten die Geschlechter wieder getrennt werden. Bei Dauerverpaarung besteht ausserdem die Gefahr einer Dermatitis im Nacken, die durch den häufigen Nackenbiss ausgelöst wird.

Alle Musteliden, so auch Frettchen, sind in der Heckzeit besonders empfindlich gegen Störungen von aussen. Die Beunruhigung der Tiere gibt Anlass zum Kannibalismus. Die Wurfgrösse sollte erst nach einigen Tagen untersucht werden.

Haltung
Frettchen werden den Vorschriften entsprechend in ausreichend grossen Käfigen, vorzugsweise bei Temperaturen von 0 bis 30C im Freien gehalten. Jeder Käfig wird mit einem Kotkasten und einer Nestbox versehen. Bei Aussentemperaturen unter -5C sollte beheizt werden. Trockene, kühle Haltung wird bevorzugt.

Im Gegensatz zum Iltis sind Frettchen gesellig und die Gruppenhaltung ist der Einzelhaltung vorzuziehen.