Geschlechtsdifferenzierung
Ausserhalb der Fortpflanzungsperiode ist eine
Geschlechtsdifferenzierung auf Grund des Anogenitalabstandes
ohne Schwierigkeiten möglich. Beim Rüden liegt die
Geschlechtsöffnung (Präpulium) etwa in Nabelhöhe, bei der Fähe
liegt die Vulva dicht vor dem Anus. In der Ranzzeit sind die
Geschlechter an der geschwollenen Vulva oder den Hoden im
Hodensack leicht zu differenzieren.
Im allgemeinen sind die Rüden zweimal so gross wie die Fähen. Frettchen unterliegen jedoch auch einer photoperiodischen Körpergewichtsschwankung, die bis zu 40 % des Körpergewichtes der Tiere ausmachen kann, indem sie im Herbst ein Fettpolster anlegen, das dann im nächsten Frühjahr wieder abgebaut wird.
Fixation
Fasst man Frettchen am Nackenfell, verfallen sie in die
Tragschlaffe, und lassen sich ohne jeden Widerstand hochheben.
Dieser Griff wird von fast allen Tieren ohne Abwehrreaktion
geduldet. Jetzt sind andere Manipulationen am Tier (z.B.
Injektionen, reinigen der Ohren, oder schneiden der Krallen)
möglich. Man sollte die Untersuchung und Behandlung nicht
unnötig ausdehnen, sondern ruhig und gezielt vorgehen.
Verabreichung von Medikamenten
Die Dosierung von Medikamenten für Frettchen kann wie für
Katzen gewählt werden wenn nichts besonders angegeben ist. Ein
Grossteil der Antibiotika kann eingesetzt werden.
Kontraindikationen von Arzneien beim Frettchen sind bis jetzt
nicht bekannt geworden. Die orale Eingabe ist leicht mit Hilfe
einer Spritze möglich, sie kann auch mittels einer
Schlundsonde (in Sedierung) durchgeführt werden.
Injektionen
Die subkutane Injektion erfolgt im dorsalen Halsbereich, die
intramuskuläre Injektion in die Oberschenkelmuskulatur der
Hinterhand oder besser in die Nackenmuskulatur, die
intraperitoneale Injektion ist auch möglich.
Röntgen
Indikationen für eine Röntgenuntersuchung bei Frettchen wie in
der Kleintiermedizin. Die Tiere werden in Sedation auf die
Kassette gelegt, geeignet zur Röntgenuntersuchung sind auch
Verstärkerfolien ohne Raster und ohne Bucky-Blende.
Bei der Röntgenaufnahmen des Herzens ist zu beachten, dass das Herz bei gekipptem Torax eine Dilatation des linken Ventrikels vortäuschen kann, die in Wirklichkeit nicht vorhanden ist.
Blutentnahme
Am sedierten Tier kann die Blutentnahme durch die Punktion der
V.cephalica antebrachii oder V.jugularis erfolgen. Am
unbetäubten Frettchen kann die Blutentnahme auch aus der
ventralen Schwanzarterie erfolgen, ist aber für das Tier
unangenehm. Die Punktionsstelle liegt etwa in der Mitte der
Schwanzlänge, die Arterie etwa 2 bis 3 mm unter der Haut. Dazu
wird eine Kanüle kranialwärts vorgeschoben.
Das Abschneiden der Schwanzspitze, Kürzen von Krallen oder das Einritzen des Ohres mit einem scharfen Skalpell, ist von den Tierbesitzern nicht sonderlich beliebt, zudem ist die gewonnene Blutmenge sehr gering.
Hämatologie
Die Blutuntersuchungsmethoden entsprechen denen der
Kleintierpraxis. Dabei weichen die normalen Blutwerte des
Frettchens nicht wesentlich von denen der Katze ab, weisen
allerdings höhere Hämatokritwerte, und höhere Erythrozyten-
und Retikulozytenzahlen auf.
Im Östrus sinken bei den Fähen die Leukozyten und Thrombozyten. Auch die normalen klinisch-chemischen Parameter weisen keine Besonderheiten auf.
Urinuntersuchung
Der Urin ist normalerweise hell-gelblich. Eine leichte
Proteinurie ist physiologisch und kann auf den relativ hohen
systolischen Blutdruck zurückgeführt werden. Ausserdem werden
regelmässig geringe Mengen von Bilirubin und Ketonkörpern
nachgewiesen.
Kotuntersuchung
Die parasitologischen Kotuntersuchungen entsprechen denen der
Kleintierpraxis, und sollten routinemässig bei den
vorgestellten Frettchen durchgeführt werden.
Elektrokardiogramm
Das Elektrokardiogramm weist Ähnlichkeiten mit dem EKG der
Katze auf.