8. UNTERSUCHUNG
Allgemeinuntersuchung
In der Regel wird der Patient in einem Käfig in die Praxis gebracht, aus dem man das Tier durch den Griff im Nacken hervorholt, und auf den Untersuchungstisch setzt. Das Frettchen ist aber meist so zahm, dass es vom Besitzer auf dem Arm vorgestellt werden kann. Die Allgemeinuntersuchung des Tieres erfolgt wie beim kleinen Haustier, und ist fast ausnahmslos ohne Sedierung möglich. Eine erste Adspektion und sogar das Betasten des Patienten ist möglich und wird auch meist geduldet. Bei der weiteren Untersuchung sollte man ruhig vorgehen. Hektische Bewegungen provozieren seine Abwehrbewegungen. Die Tiere zischen, wenn man sie erschreckt. Die Analdrüsen können dann gelegentlich entleert werden und rufen einen penetranten Geruch im Behandlungsraum hervor.

Geschlechtsdifferenzierung
Ausserhalb der Fortpflanzungsperiode ist eine Geschlechtsdifferenzierung auf Grund des Anogenitalabstandes ohne Schwierigkeiten möglich. Beim Rüden liegt die Geschlechtsöffnung (Präpulium) etwa in Nabelhöhe, bei der Fähe liegt die Vulva dicht vor dem Anus. In der Ranzzeit sind die Geschlechter an der geschwollenen Vulva oder den Hoden im Hodensack leicht zu differenzieren.

Im allgemeinen sind die Rüden zweimal so gross wie die Fähen. Frettchen unterliegen jedoch auch einer photoperiodischen Körpergewichtsschwankung, die bis zu 40 % des Körpergewichtes der Tiere ausmachen kann, indem sie im Herbst ein Fettpolster anlegen, das dann im nächsten Frühjahr wieder abgebaut wird.

Fixation
Fasst man Frettchen am Nackenfell, verfallen sie in die Tragschlaffe, und lassen sich ohne jeden Widerstand hochheben. Dieser Griff wird von fast allen Tieren ohne Abwehrreaktion geduldet. Jetzt sind andere Manipulationen am Tier (z.B. Injektionen, reinigen der Ohren, oder schneiden der Krallen) möglich. Man sollte die Untersuchung und Behandlung nicht unnötig ausdehnen, sondern ruhig und gezielt vorgehen.

Verabreichung von Medikamenten
Die Dosierung von Medikamenten für Frettchen kann wie für Katzen gewählt werden wenn nichts besonders angegeben ist. Ein Grossteil der Antibiotika kann eingesetzt werden. Kontraindikationen von Arzneien beim Frettchen sind bis jetzt nicht bekannt geworden. Die orale Eingabe ist leicht mit Hilfe einer Spritze möglich, sie kann auch mittels einer Schlundsonde (in Sedierung) durchgeführt werden.

Injektionen
Die subkutane Injektion erfolgt im dorsalen Halsbereich, die intramuskuläre Injektion in die Oberschenkelmuskulatur der Hinterhand oder besser in die Nackenmuskulatur, die intraperitoneale Injektion ist auch möglich.

Röntgen
Indikationen für eine Röntgenuntersuchung bei Frettchen wie in der Kleintiermedizin. Die Tiere werden in Sedation auf die Kassette gelegt, geeignet zur Röntgenuntersuchung sind auch Verstärkerfolien ohne Raster und ohne Bucky-Blende.

Bei der Röntgenaufnahmen des Herzens ist zu beachten, dass das Herz bei gekipptem Torax eine Dilatation des linken Ventrikels vortäuschen kann, die in Wirklichkeit nicht vorhanden ist.

Blutentnahme
Am sedierten Tier kann die Blutentnahme durch die Punktion der V.cephalica antebrachii oder V.jugularis erfolgen. Am unbetäubten Frettchen kann die Blutentnahme auch aus der ventralen Schwanzarterie erfolgen, ist aber für das Tier unangenehm. Die Punktionsstelle liegt etwa in der Mitte der Schwanzlänge, die Arterie etwa 2 bis 3 mm unter der Haut. Dazu wird eine Kanüle kranialwärts vorgeschoben.

Das Abschneiden der Schwanzspitze, Kürzen von Krallen oder das Einritzen des Ohres mit einem scharfen Skalpell, ist von den Tierbesitzern nicht sonderlich beliebt, zudem ist die gewonnene Blutmenge sehr gering.

Hämatologie
Die Blutuntersuchungsmethoden entsprechen denen der Kleintierpraxis. Dabei weichen die normalen Blutwerte des Frettchens nicht wesentlich von denen der Katze ab, weisen allerdings höhere Hämatokritwerte, und höhere Erythrozyten- und Retikulozytenzahlen auf.

Im Östrus sinken bei den Fähen die Leukozyten und Thrombozyten. Auch die normalen klinisch-chemischen Parameter weisen keine Besonderheiten auf.

Urinuntersuchung
Der Urin ist normalerweise hell-gelblich. Eine leichte Proteinurie ist physiologisch und kann auf den relativ hohen systolischen Blutdruck zurückgeführt werden. Ausserdem werden regelmässig geringe Mengen von Bilirubin und Ketonkörpern nachgewiesen.

Kotuntersuchung
Die parasitologischen Kotuntersuchungen entsprechen denen der Kleintierpraxis, und sollten routinemässig bei den vorgestellten Frettchen durchgeführt werden.

Elektrokardiogramm
Das Elektrokardiogramm weist Ähnlichkeiten mit dem EKG der Katze auf.